Autorenleben: Der Befreiungsschlag
Warum ich dem Ruf der Buchstaben gefolgt bin
Wenn ich heute aus dem Fenster schaue und die Herbstblätter fallen sehe, fühle ich eine Ruhe, die ich so bisher nicht kannte. Vor gut einem Jahr habe ich eine Entscheidung getroffen, die für viele in meinem Umfeld riskant wirkte: Ich habe meinen sicheren Job in der Versicherungsbranche an den Nagel gehängt.
Es war kein Abschied aus einer Laune heraus, sondern ein notwendiger Befreiungsschlag.
Wenn die Leidenschaft lauter wird als die Sicherheit
Man nennt es oft „Brotjob“ – jene Tätigkeiten, die Autoren machen, damit die Rechnungen bezahlt werden, während die eigenen Träume geduldig in der Warteschleife hängen. Über Jahre hinweg war die Versicherungswelt mein Anker. Der Job hat mir finanzielle Sicherheit gegeben, aber er hat mich ausgebrannt, das war ich nicht. Als „GenXer“ ist man mit dem Glauben aufgewachsen, dass Sicherheit das höchste Gut sei. Aber was nützt die Sicherheit, wenn die eigene Leidenschaft jeden Tag leiser wird?
Ich habe gemerkt: Ich brenne für das Schreiben. Punkt.
Sachbuchautor aus Berufung?
Es klingt für manche vielleicht seltsam, wenn ich sage, dass mir das Verfassen von Sachbüchern, das Konzipieren von Schulungsskripten oder das Ghostwriting eine tiefe Zufriedenheit schenkt. Ich schreibe keine dramatischen Romane, aber ich erschaffe Ordnung. Ich nehme komplexe Wissensberge und verwandle sie in Pfade, denen andere folgen können.
Egal, ob ich an einem eigenen Projekt über HTML und CSS (das gab es jetzt schon länger nicht mehr) arbeite oder als Ghostwriter die Gedanken eines anderen in die richtige Form gieße – dieser Prozess des Erschaffens gibt mir eine Erfüllung, die mir keine andere Tätigkeit geben kann.
Geld ist nicht alles – Freiheit schon
Natürlich war der Schritt mit Fragen verbunden. Reicht das Geld? Werden die Aufträge stabil bleiben? Meine Antwort heute ist simpel: Es reicht, mal mehr und mal weniger. Aber es reicht, und das ist genug.
Ich habe gelernt, dass finanzieller Überfluss den Mangel an Zeit und Sinn nicht ausgleichen kann. Für mich ist das Schreiben kein Mittel zum Zweck, um ein „besseres“ Leben zu finanzieren. Das Schreiben ist jetzt mein Leben. Diese Freiheit, morgens den Laptop aufzuklappen und zu wissen, dass ich mich heute ausschließlich mit Wörtern, Strukturen und Inhalten beschäftigen darf, ist unbezahlbar.
Ein neuer Rhythmus
Dieser Blogpost ist kein Versprechen an die Welt und keine Ankündigung neuer Strategien. Er ist einfach eine Bestandsaufnahme meines neuen Ichs. Ich genieße es, die Dinge in meinem Tempo anzugehen, ohne den Druck, jedes Quartalsziel erreichen zu müssen.
Manchmal muss man den Mut aufbringen, das Bekannte loszulassen, um Platz für das Wesentliche zu machen. Bei mir sind es die Buchstaben. Und das fühlt sich, jetzt im Herbst 2025, genau richtig an.