KI schreibt Code …
Brauchen wir jetzt noch HTML & CSS?
Vor etwas mehr als 2,5 Jahren habe ich darüber geschrieben, ob HTML und CSS im Zeitalter von Web-Baukästen noch relevant sind. Meine Antwort war ein klares Ja. Jetzt aber kommt der nächste Game-Changer um die Ecke (bzw. er ist schon voll um die Ecke herum): Künstliche Intelligenz, die Code schreibt.
Tools wie ChatGPT oder Claude versprechen, ganze Webseiten zu generieren, CSS-Stile zu optimieren oder Fehler in Sekunden zu finden. Die Verlockung ist groß: Einfach eine Anweisung eintippen, und schon steht der fertige Code. Ist das das Ende der „menschlichen“ Webentwicklung? Müssen wir bald nur noch „prompts“ schreiben, statt uns mit <divs> und .classes zu beschäftigen?
Als jemand, der das Web von den ersten HTML-Tags an begleitet hat, sage ich: HTML und CSS sind wichtiger denn je – und KI macht sie sogar noch mächtiger für DICH.
KI ist dein Copilot, nicht dein Autopilot.
Stell dir vor, du sitzt in einem brandneuen Jet. Du musst kein Flugzeugbauer sein, um abzuheben. Aber wenn ein Problem auftaucht oder du eine spezielle Flugroute nehmen willst, hilft es ungemein, die Instrumente zu verstehen und die Aerodynamik zu kennen.
Genauso ist es mit KI beim Coding:
- Der „Bullshit-Detektor“: KI-generierter Code ist oft gut, aber so gut wie nie perfekt. Manchmal ist er umständlich, veraltet oder erfüllt nicht genau deine Anforderungen, oder der Code hat schlicht und einfach massive Fehler drin. Denn KI fantsiert auch mal ganz gerne und denkt sich einfach neue Befehle oder Tags aus, die es gar nicht gibt. Wenn du die Grundlagen von HTML und CSS verstehst, kannst du den generierten Code kritisch prüfen, optimieren und anpassen. Du erkennst schnell, ob da ein Fehler lauert oder ob eine elegantere Lösung möglich ist.
- Präzise Anweisungen für präzise Ergebnisse: KI ist nur so gut wie die Anweisung, die du ihr gibst (der sogenannte „Prompt“). Wenn du weißt, wie ein valider HTML-Aufbau aussieht, welche CSS-Eigenschaften für Responsive Design wichtig sind oder welche Semantik für SEO relevant ist, kannst du deine Prompts viel genauer formulieren. Statt „Mach mir eine Website“, sagst du „Erstelle ein semantisches HTML5-Grundgerüst mit einer Header-Navigation, einem Main-Content-Bereich und einem Footer, alles im Mobile-First-Ansatz.“ Das Ergebnis wird um Welten besser sein.
- Lern-Booster statt Denkfaulheit: Sieh KI als deinen persönlichen Mentor. Du kannst KI-Tools nutzen, um Code-Beispiele zu komplexen CSS-Layouts (Stichwort: Grid oder Flexbox) zu generieren, sie dir erklären zu lassen oder sogar Alternativen vorzuschlagen. Das beschleunigt deinen Lernprozess enorm. Du fragst nicht mehr „Wie geht das?“, sondern „Zeig mir, wie ich das am besten mit reinem CSS umsetze.“
- Die menschliche Note bleibt entscheidend: Ein Algorithmus kann Code schreiben (erstaunlich gut, aber immer noch fehlerhaft), aber er kann nicht die Intuition eines Coders haben, das Gefühl für Ästhetik oder das Verständnis für die Zielgruppe deiner Website. Die kreative Vision, die Feinabstimmung und die finale Entscheidung bleiben bei dir. Deine Fähigkeit, den Code zu verstehen und zu formen, wird zu einem Premium-Skill.
Mein Fazit: HTML & CSS Codingwissen bleibt essentiell, auch im KI-Zeitalter.
KI ist kein Ersatz für dein Wissen, sondern ein mächtiges Werkzeug in deinem Werkzeugkasten. Wer die Grundlagen von HTML und CSS beherrscht, kann KI optimal einsetzen, um schneller, effizienter und kreativer zu arbeiten. Es geht nicht mehr darum, jede Zeile von Hand zu tippen, sondern darum, den Code zu verstehen und zu dirigieren.
Wenn du also schon immer die Sprache des Webs lernen wolltest: Jetzt ist der beste Zeitpunkt! Meine Bücher zu HTML und CSS sind dafür der ideale Einstieg. Sie geben dir das Fundament, auf dem du mit und ohne KI die spannendsten Projekte umsetzen kannst.
Wie siehst du das? Nutzt du schon KI-Tools beim Coden? Und hat sich deine Einstellung zu den Basics dadurch verändert? Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren!